Die Wasserwacht Bad Aibling fährt neue Wege
Mi, 04. Aug 2010, Bitte äuswählen
Veranstalter: Wasserwacht Ortsgruppe Bad Aibling

Die Wasserwacht Bad Aibling durfte kürzlich ein zweites Einsatzfahrzeug in Dienst stellen und geht damit völlig neue Wege in der Einsatztaktik.
Schon seit längerem gibt es bei der Wasserwacht Bad Aibling die Erkenntnis, dass ein zweites Einsatzfahrzeug notwendig ist. Sämtliche, eingereichten Anträge wurden jedoch abgelehnt, da nach dem bayerischen Rettungsdienstgesetz pro Schnelleinsatzgruppe nur ein Wasserrettungsfahrzeug gefördert wird. Da in der Vergangenheit allerdings nicht nur die Einsatzzahlen, sondern auch der notwendige Material- und Personalaufwand stieg, behielt man dieses Anliegen stets präsent und suchte nach Möglichkeiten der Beschaffung. Nicht selten standen bei einer erfolgten Alarmierung 12 oder mehr Helfer im Lager, während im Einsatzfahrzeug lediglich sieben Personen transportiert werden können. Die restlichen Helfer fuhren daher in ihren Privatfahrzeugen die Unfallstelle an und verloren so wichtige Zeit. Häufig transportierten sie zudem noch zusätzlich benötigte Materialien.
Als sich kürzlich die Möglichkeit bot ein ausrangiertes Notarzteinsatzfahrzeug vom Typ Audi A4 Quattro kostengünstig zu erwerben, reagierte die Vorstandschaft prompt. Nach einigen Besprechungen und Probefahrten stimmte man der Anschaffung als zusätzliches Einsatzfahrzeug zu.
Geplant ist das Fahrzeug künftig als eine Art „First-Responder“ einzusetzen um noch schneller adäquate Hilfe in Notsituationen leisten zu können. Dies bedeutet, dass abhängig von der Alarmierung ein Voraustrupp mit ausgebildeten Wasserrettern mit diesem Fahrzeug ausrückt und qualifizierte Hilfe einleitet. Die restlichen Kollegen folgen ihnen umgehend mit großem Gerät. Ein weiterer Vorteil ist, dass dieser Voraustrupp schon frühzeitig eine situationsgerechte Lagemeldung an die Leitstelle übermitteln kann. Bei Bedarf können sie zudem weitere, anrückende Kräfte einweisen und gegebenenfalls koordinieren.
Während der Wachsaison soll das Fahrzeug zudem der Wachmannschaft am Höglinger Weiher zur Verfügung stehen. Seit einigen Jahren wird die Wasserwacht nämlich während der Wachzeiten auch zu Unfällen abseits des Badestrandes gerufen, üblicherweise Verkehrsunfälle. Das neue Fahrzeug ermöglicht somit nicht nur ein zügigeres Erreichen der Unfallstelle, auch kann die Unfallstelle nun deutlicher abgesichert werden. Dies erhöht vor allem die Sicherheit der Opfer, aber auch der eigenen Helfer ganz wesentlich.
Die Verantwortlichen erhoffen sich von diesem neuen Konzept eine stark verkürzte Ausrückezeit und dementsprechend schnellere Reaktionszeiten. Wenn man bedenkt, dass die Schnell-Einsatzgruppe der Wasserwacht Bad Aibling vom Tegernsee bis zum Chiemsee und von Kufstein bis nach Wasserburg fest in die Alarmierung integriert ist, wird schnell klar weshalb man unbedingt auf ein zweites Fahrzeug gedrängt hat. Nur so ist es möglich innerhalb kürzester Zeit ausgebildete Retter an den Schadensort zu bringen, während das andere Fahrzeug mit schwerem Gerät nachrückt.
Nach einigen kleineren Reparaturen und der Installation einer Anhängevorrichtung wird der gesamte Anschaffungspreis knapp 5000 Euro betragen. Ein Betrag, welchen man zu 100% aus Ersparnissen und Spenden aus vergangenen Aktionen bestreitet.
Auch wenn die gesetzlichen Begebenheiten den tatsächlichen Notwendigkeiten vor Ort konträr gegenüberstehen hat sich gezeigt, dass die Wasserwacht diese Missstände aus eigener Kraft bewältigen kann. Zwar hofft man auf möglichst wenig Unfälle und Notfälle, allerdings ist man sich sicher im Notfall die richtigen Vorbereitungen getroffen zu haben.
In der kurzen Zeit seit Indienststellung hat sich dieses Fahrzeug bereits mehrfach bewährt und somit seine „Wassertaufe“ im Dienste der Wasserwacht erfolgreich bestanden.
Stephan Braun – Technischer Leiter Wasserwacht Bad Aibling